Die Geschichte vom “Kleinen Haus”
Das kleine Haus am Kirchplatz 29 beherbergt seit seiner Restaurierung von 1983 ein gemütliches Teehaus.
Daran angrenzend stehen drei Häuser, die nach dem großen Brand von Bad Essen im Jahr 1668 erbaut wurden. Die Gebäude entstanden auf historischen Grundmauern aus der Zeit um 1100. Sie gehörten zu den 24 Häusern, die einschließlich des Kleinen Hauses die damalige Kirchhofsburg bildeten.
Im Hoch- und Spätmittelalter gab es im Osnabrücker Land ein umfassendes Verteidigungssystem mit verschiedenen Schutzanlagen, das in Bad Essen aus einem dreieckigen Kirchhof mit Kirche, Steinmauer und Wehrspeicher bestand. Das kleine Haus ist der letzte noch erhaltene Wehrspeicher (Spyker) der ehemaligen Bad Essener Kirchhofsburg. Ab Mitte des siebzehnten Jahrhunderts ließen sich auf dem Kirchplatz Gewerbetreibende nieder, die “Kirchhöfer”. Daher fasste man bis Anfang des 19. Jahrhunderts die kleinen Speicherbauten zu langgestreckten zweistöckigen Fachwerkbauten zusammen oder ersetzte sie komplett.
Daraus erklären sich auch die unterschiedlichen Gebäudehöhen der drei Häuser und die verschiedenen Ausprägungen des Fachwerks.
Vermutlich wurde das linke Haus handwerklich genutzt und beherbergte im Erdgeschoss eine Schmiede und im 1. Stock Wohnräume. Die beiden niedrigeren Gebäude schienen als Scheune gedient zu haben. 1831 baute man das mittlerweile zu einem Haus vereinte niedrige Haus um. Es gibt aus dieser Zeit einen großen Kamin mit Jahreszahl, eine klassizistische dreiteilige Eingangstür und eine eingezogene Zwischendecke. Im hohen Haus wurde nach 1908 das große Tor durch einen Erker ersetzt. Nach dem Einbau von Treppen wurde auch dieses Haus mit den beiden übrigen zu einem Gebäude zusammengefasst.
